Die Russen-Kamera jetzt auch in Deutschland?

25 Okt 12:55 pm
Bildschirmfoto 2013-10-25 um 14.53.38

In Russland ist dieses Gerät bereits Standard: die Dashcam oder der Video Registrator, eine Onboard-Kamera, die an der Windschutzscheibe befestigt wird und dazu benutzt werden soll, bestimmte Verkehrssituationen aufzuzeichnen. Auch in Deutschland werden diese Geräte bereits verkauft? Sind sie überhaupt sinnvoll?

Wozu ist so eine Dashcam Russia überhaupt gut?

Es gibt verschiedene denkbare Nutzungszwecke für diese Art Kamera
Manche Leute zeichnen einfach gerne die landschaftlichen Schönheiten auf, an denen sie vorbeifahren, um sie später in Ruhe genießen zu können.
Die bisweilen lustigen, oft aber auf gefährlichen Fahrfehler von anderen Autofahrern in Youtube zu stellen, ist für viele schon zu einer richtigen Freizeitbeschäftigung geworden.
Andere hoffen darauf, spektakuläre Ereignisse mit der Dashcam festzuhalten, wie unlängst der russische Kraftfahrer, der einen Metoritenschauer auf die Kamera bannen konnte.
In erster Linie dienen die Aufnahmen aber dazu, im Falle eines Unfalls Beweismaterial zum Unfallhergang vorlegen zu können.

Wie sieht die rechtliche Situation aus?

In Russland ist die Dashcam als Beweismittel vor Gericht zugelassen und scheint auch in vielen Fällen dringend gebraucht zu werden. In Deutschland ist die Kamera problemlos zu erwerben und kann daher für private Zwecke auch genutzt werden. Bei der Verwendung als gerichtliches Beweismittel sieht die Sache schon anders aus. Die Akzeptanz vor Gericht hängt davon ab, um welche Art Vorfall es eigentlich geht, denn auch das Persönlichkeitsrecht des Unfallgegners steht hier zur Debatte.
Bei Kleindelikten, wie etwa beobachteter Nötigung, würde die Aufnahme als Beweismittel vermutlich nicht zugelassen werden. Wenn die Kamera beispielsweise zu dichtes Auffahren aufnehmen würde, könnte das allenfalls bei Youtube eingestellt werden.
Liegt ein Unfall mit Personenschaden vor und unklarem Unfallhergang vor, kann die Kamera unter Umständen als wichtiges Beweismittel zugelassen werden.
Wurde sogar eine Fahrerflucht aufgenommen, kann die Aufnahme sogar elementar wichtig zur Aufklärung sein.

Also hat die Dashcam nur Vorteile?

Da wäre noch die Frage des Persönlichkeitsrechts bei der Veröffentlichung oder Verwendung von Filmaufnahmen, von denen der Aufgenommene nichts wusste. Unter Persönlichkeitsrecht werden laut Bundesverfassungsgericht die Rechte verstanden, die eine Person vor Eingriffen in die “persönliche Lebenssphäre” schützen. Wer bewusst in der Öffentlichkeit auftritt, wie Filmschauspieler beispielsweise, kalkuliert ein, dass sein persönliches Leben in gewisser Weise öffentlich gemacht wird und ist deshalb nur begrenzt schützenswert. Bei Privatpersonen ist das anders. Im Prinzip muss die Erlaubnis einer Privatperson eingeholt werden, um Fotos oder Filme, in denen sie vorkommt, veröffentlichen zu können. Wenn nun also ein Film etwa im Internet auftaucht, auf dem zu erkennen ist, wo jemand mit seinem Auto unterwegs war oder was er irgendwo getan hat, verletzt die Aufnahme seine Persönlichkeitsrechte. Auch vor Gericht wird bei Beweisführungen selbstverständlich auf die Persönlichkeitsrechte auch der Täter Rücksicht genommen und deshalb manche Beweismittel nicht zugelassen.

Wird die Dashcam auch in Deutschland gebraucht?

Eine solche Kamera hat zweifellos Vorteile, wenn es um Beweisführungen bei unklaren Verkehrssituationen geht. Und vielleicht kann wirklich ein spektakuläres Naturereignis aufgenommen werden. Zum privaten Spaß und zur Öffentlichmachung amüsanter Ereignisse ist sie eigentlich überflüssig und gegebenenfalls auch überhaupt nicht zulässig. Ob sich unter diesen Umständen jemand eine solche Dashcam zulegen möchte, muss jeder für sich entscheiden. Brauchen wird er sie nur in den seltensten Fällen.

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