Maximal 30 Prozent über dem Wiederbeschaffungswert sind für ältere Pkw drin

23 Jan 10:28 am

Bei einem Unfall mit einem älteren Auto stellt sich häufig die Frage, ob man die Reparatur noch anstreben oder lieber auf die Suche nach einem neuen Auto gehen sollte. Die Kfz-Versicherungen haben in dieser Hinsicht ein sehr einfaches Mittel gefunden. Ist eine Reparatur teurer als die Wiederbeschaffung, zahlt die Versicherung zumeist den Wiederbeschaffungswert aus. Ob man reparieren lässt oder nicht, liegt im eigenen Ermessen. Man hat aber die Möglichkeit, bis zu 30 Prozent über dem Wiederbeschaffungswert zu erhalten. Das besagt die 130-Prozent-Regel.

Nun bewegte ein solcher Fall die Justiz. Wie viel muss die Kfz-Versicherung zahlen, entscheidet sich der Versicherungsnehmer für die Reparatur in Eigenregie und fordert anschließend dafür die Kosten ein, anstatt den üblichen Wiederbeschaffungswert zu erhalten. Hat er überhaupt eine Chance, mehr Geld zu bekommen, als den ermittelten Wert der Wiederbeschaffung? Ja, er hat. Das hat nun der Bundesgerichtshof (Az. VI ZR 30/11) entschieden.

Der Versicherungsnehmer ist Mitarbeiter in einer Kfz-Werkstatt, dementsprechend vom Fach. Die vom Sachverständigen ermittelten Kosten für eine Reparatur betrugen 3.2554,02 Euro; der Wiederbeschaffungswert wurde mit 2.150 Euro angegeben. Der Fahrzeugbesitzer führte in Eigenleistung eine Reparatur für 2.734,47 Euro durch und verlangte dieses Geld von der Versicherung zurück. Der Betrag entspricht rund 130 Prozent des Wiederbeschaffungswertes. Die Versicherung allerdings wollte nur den Wiederbeschaffungswert auszahlen.

Am Ende behielt die Versicherung recht. Der Grund ist in der unprofessionellen Ausführung der Arbeiten zu sehen. Von den Vorgaben des Gutachters wich der Fahrzeughalter enorm ab. Er tauschte nicht den hinteren Querlenker aus und auch die Verkleidung des hinteren Stoßfängers ist nicht richtig angepasst. Wegen diesen unsachgemäßen Arbeiten sind die Kosten aus dem Sachverständigengutachten für eine Berechnung nicht mehr relevant. Daher gibt es nur den Wiederbeschaffungswert abzüglich des Restwertes.

Das ist aber nicht alles, was dem Urteil des Bundesgerichtshofes zu entnehmen war. Während dieser Autofahrer unterlag, hat das Urteil für zukünftige Betroffene weitreichende Konsequenzen. Grundsätzlich wurde entschieden, dass für die Anwendung der 130-Prozent-Regel die fachgerechte und vollständige Instandsetzung nach den Anforderungen des Gutachters eine Rolle spielt. Ohne Bedeutung ist dagegen, in welcher Höhe der vom Gutachter ermittelte Wiederbeschaffungswert des Autos die vom Sachverständigen festgestellten Bruttoreparaturkosten übersteigt.

Bildquelle: iwanp. / Flickr

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