Zarte Mädchenhände und Motoröl? Immer häufiger entscheiden sich Mädchen für den Beruf Kfz-Mechatroniker

22 Aug 10:00 am

Ja, es gibt sie nach wie vor, die typischen Männer- und die typischen Frauenberufe. Mädchen gehören mit lackierten Fingernägeln und piekfeiner Kleidung ins Büro, Jungs machen sich richtig dreckig, panschen mit Farben, bekleckern sich mit Motoröl und sind technisch begabt. Doch eine leichte Wende ist auf dem Ausbildungs- und Berufemarkt in den letzten Jahren zu beobachten: Immer mehr Mädchen trauen sich in Männerdomänen und auch andersherum gibt es immer mehr Jungs, die sich für Frauenberufe entscheiden.

Der Kfz-Mechatroniker ist ein gutes Beispiel. Bei den männlichen Schulabgängern rangiert dieser Beruf auf Platz Eins in der Wunschliste der Ausbildungsberufe, bei den weiblichen dagegen nur auf Platz 58. Trotzdem gibt es einen Mädchenanteil von 2,3 Prozent. Das liegt sicherlich weiterhin daran, dass sich das Berufsbild in den letzten Jahren enorm verändert hat. Statt mit ölverschmierten Händen und im dreckigen Blaumann unter Autos auf der Hebebühne herumzukriechen, geht es heute eher um das, was man im Kopf hat, denn der Umgang mit Mess- und Diagnosegeräten ist das tägliche Brot des Kfz-Mechatronikers. Da kommt es nicht auf Muskelkraft, sondern auf Fachkenntnisse an.

Leider wird es den Mädchen auch von den Ausbildungsbetrieben schwer gemacht, in der Branche Fuß zu fassen. Sie werden gerne mit lapidaren Ausreden abgewimmelt. Hilfe bekommen Interessentinnen jetzt von Frauen, die es geschafft haben. Diese wurden nämlich in einer Studie des Bundesinstituts für berufliche Bildung (BIBB) rund um ihren Beruf befragt. Die Studie trägt passenderweise den Namen „Lippenstift und Motoröl“ (ISBN-Nummer 978-3-7639-5031-7).

Die Autorin Bärbel Bertram stellte den Teilnehmerinnen Fragen zu den Motiven ihrer Berufswahl und zu ihren Erfahrungen im Berufsleben. Die Meisten wurden über das Elternhaus oder den Bekanntenkreis an Technik herangeführt. Beim bundesweiten Girls Day oder beim Schulpraktikum schnupperten sie dann in die Praxis hinein und schnell wurde ihnen klar, dass Technik ihr Ding ist.

Im Alltag stehen die Kfz-Mechatronikerinnen ihren männlichen Kollegen in nichts nach. Sie sind gleich gut oder sogar besser. Wer die Entscheidung für diesen Beruf trifft, ist nicht nur interessiert an Technik, er ist im Allgemeinen auch selbstbewusst und kann sich durchsetzen. Die 24 Jahre alte Lisa Törmer absolvierte bei Audi als einziges Mädchen in ihrer Gruppe eine Lehre als Kfz-Mechatronikerin. Sie rät dazu, nicht gleich aufzugeben, falls mal etwas nicht klappt. Heute ist sie Vorsitzende der Jugend- und Ausbildungsvertretung bei Audi.

Link zum Bild: Stefan Bayer / Pixelio

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